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Kunstpädagogische Positionen – Pazzini: Pornographie als Bilddidaktik

"Pornographie als Bilddidaktik" von Karl-Josef Pazzini


- Zusammenfassung -

Pazzini behandelt in seinem Vortrag die Pornographie als eine Bilddidaktik und vergleicht diese stets mit dem Kontext der Schule.
Zu Beginn beschreibt er vier Punkte beziehungsweise Thesen, auf welche er im Verlauf seines Vortrags eingehen wird.
1. Pornographie unterliegt einem Funktionswandel, sie stellt nicht weiter eine heimliche Form der Sexualität dar, sondern gelangt an die Öffentlichkeit.
2. Pornographie wird in ihrer Struktur erfasst.
3. Pornographie als eine Art Bilddidaktik, es wird betrachtet, wie Bilder Wirken und wie sie wirksame Bilder im Sinne einer Idealisierung von Sexualität produziert.
4. Didaktik trägt einen Teil an der Struktur der Pornographie bei. Denn die Struktur der Pornographie taucht in vielen Situationen des Lebens erneut auf, z.B. in Bildungsinstitutionen, und ich vergleichbar mit der Ökonomisierung und Professionalisierung aller möglichen Lebensbereiche. 
Pornographie kann als artifiziell interessante Entwicklung gelten, die in der Not des Lebens Freiräume schafft und eine neue Möglichkeit der Liebe.
Pazzinis These lautet somit: Pornographie schafft Freiräume der Liebe - und zwar darin, dass sie anerkennt, dass es eine Herausforderung durch den Trieb gibt. Pazzini behauptet, es gäbe keine authentische, natürliche und liebevolle Sexualität, diese müsse erst noch artifiziell erfunden werden. So ergeben sich Fragen, wie die Pornographie eine Präsentation und Repräsentation der Sexualität hervorbringt? Was ist das überhaupt? Und tut sie das voller Scham in Bilder, um nicht sprechen zu müssen? Kann sowas überhaupt per Sprache oder Darstellung erreicht werden? Und brauchen wir deshalb Bilder? Ist Pornographie vielleicht eine Art Gefäß für bereitliegende Bilder, die nicht realisiert werden konnten, für Bilder, die in Fragmenten erahnt werden?
Zudem zeigt sich, das eine kulturelle Abhängigkeit vorliegt, wieviel Nacktheit toleriert wird. Im Sinne d
er Systemtheorie handelt es sich bei der Pornographie um die Komplexitätsreduzierung des Sexuellen, um das Weglassen des vermeintlich Unwesentlichen. Dabei wird allerdings jede Spur von Liebe/ Zuwendung/ Zärtlichkeit getilgt (bezogen auf Mainstream-Pornos) und eine stetige Typologisierung der Heteropaare vorgenommen. Pornographie zeugt von einem Machtkampf - eine solche Überreizung durch Sexuelles findet sich im Alltag wieder, so in Werbungen. Pornographie und Masturbation schaffen Wiederrum einen Ausweg aus diesem Machtkampf. Es stellt sich die Frage, ob Sexualität Ursprung von Bildproduktion überhaupt ist, zur Generierung von Vorstellungen?
Pornographie sei in ihrer Produktion und Konsumtion, ihrer Wirkung auf mehrere Weise bilddidaktisch. Pazzini führt Parallelen und Strukturähnlichkeiten zur Didaktik auf, dass Lehren eine Art Verführung darstelle & führt den Begriff des Zeigens ein, welches eine wichtige Dimension jeglicher Didaktik darstellt. Der Porno dahingehend entblöße und sei nichts anderes als zeigen oder gezeigt werden.
Als weiteres Merkmal führt Pazzini die Augen als erogene Zone ein, welche reizbar und reizvoll sind, er unterscheidet dabei zwischen Sehen und Blick. In Pornographie kommt es da zu einer Verschränkung. Das Sehen wird an der Oberfläche geblockt, während der Blick diese penetriert und ihn durchblickt. So wird der Körper des Zuschauenden in das Bild hineingesogen - auch hier findet sich eine Parallele zu Unterrichtssituationen! 
Pazzini führt eine neue Schnittstelle auf, indem er Pornographie als Bilddidaktik definiert. Da Kinder und Jugendliche immer früher zu solchen Medien greifen und diese in ihren Alltag gewissermaßen integrieren, ist es eine präsente und wichtige Form von Darstellungen, welche nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Als Lehrende muss dabei stets bewusst sein, welche Überschneidungen vorherrschen. Auch zu verstehen, inwieweit solche Darstellungen real sein können, oder etwas widerspiegeln, was gar nicht erreicht werden kann. Hier ist auch auf Pazzinis Darstellung zurückzugreifen, in welcher er über die Schönheit von Genitalien spricht. So ist auch Pornografie in gewässerweise nicht realistisch, was Kinder und Jugendliche im frühen Alter nicht verstehen und somit falsche Vorstellungen generiert werden.
http://kunst.uni-koeln.de/monthly/pornographie-als-bilddidaktik/
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