Medium?

Analogkamera?

  • die analoge Fotografie gilt bis heute vielfach als Medium der Wahrheit und Nichtfiktion, das Wirklichkeit eher reproduziert als konstituiert
  • fängt den reinen, augenblickhaften Charakter einer Szenerie ein –> zumindest nimmt der Betrachter dies so wahr
  • ein Foto fängt immer nur einen kurzen Moment ein
  • ein Foto repräsentiert den Sekundenbruchteil, in dem ein Verbrechen geschieht

    https://www.kunstforum.de/artikel/play-it-again/

https://www.kunstforum.de/artikel/der-gebrauch-der-fotografie/

Darstellungsideen

Fotobuch: digital?, weißer Hintergrund, um Foto wirken zu lassen, ohne Ablenkung, kleines Textfeld mit Kontext auf der nächsten Seite als „Auflösung“

ODER STATT TEXTFELD evtl. Zeitungsartikel aus Archiv, um Verbrechen greifbarer zu machen?

 

Verbrechensschauplätze

https://www.ksta.de/region/euskirchen-eifel/ermittlungen-diese-mord–und-vermisstenfaelle-im-kreis-euskirchen-sind-ungeklaert-24140534-seite3

https://koeln.mitvergnuegen.com/2019/true-crime-in-koeln-11-wahre-verbrechen/

Deskriptive Fotografie

https://www.kunstforum.de/artikel/staatsanwalte-kriminalisten-und-detektive/

Die Kriminalpraxis wird jedoch durch ein vielfältiges Repertoire an Aufnahmetechniken strukturiert. Die lichtempfindliche Schicht wird nicht nur dazu verwendet, Eindrücke „dokumentarisch“ wiederzugeben, ihre physikalisch-chemischen Wirkungen ermöglichen auch das Hervorrufen von latenten Spuren, also den Spuren, die mit dem bloßen Auge nicht wahrzunehmen sind. Auf diese Form kriminalistischer Repräsentationen – die „explorative Fotografie“25 – beziehen sich die Künstler Elizabeth Diller und Ricardo Scofidio in ihrer Montage „Case # 00-17163“26. Sie überblenden die Aufnahmen eines Tatorts mit gerichtmedizinischen Protokollen, Grafiken, Tabellen, Fingerabdrücken, sowie den Mikro- und Makroaufnahmen von Blut- und Bisswunden und veranschaulichen auf diese Weise wie sich die polizeilichen Ermittlungstechniken zu einem Fahndungsnetz formieren, zum roten Faden werden, der – natürlich nur im besten Fall – zu der Ursache des Unerklärlichen führt.

Thomas Demand bezeichnet diese Geschichte als „die dritte Oberfläche“31 und versteht darunter die Suche nach den nichtexistenten Bildern eines Tatortes, die, so Demand, „aber genauso aussehen wie die Bilder, die es gibt.“32 Wie Sternfeld, Baltz, Faust, Draeger oder Wallsten bezieht sich auch Demand auf eine tatsächlich stattgefundene Straftat. Doch kehrt er nicht an den Ort des Verbrechens zurück. Sein Material ist die Fotografien eines Tatorts, Aufnahmen, die bereits kulturell vorherbestimmt und kontrolliert sind. Demand baut das, was diese Bilder zeigen, aus Pappe und Papier nach und präsentiert diese Papp-Imitationen wiederum fotografisch. Auf diese Weise entstand „Flur“33, die Aufnahme des Modells eines Treppenhauses, das zu der Wohnung des amerikanischen Serienkillers Jeffrey Dahmer führt und „Badezimmer“34, eine Aufnahme, mit der sich Demand auf die Fotografie des Politikers Uwe Barschel bezieht, die diesen tot in einer Badewanne seines Hotelzimmer zeigt.

forensische Tatortfotografie-Methoden werden aufgegriffen im Sinne vom Eindruck einer neutralen, gründlichen Betrachterperspektive

Manipulating Reality mit Hilfe der Kamera

Wie wir eine Szenerie wahrnehmen lässt sich, oft unbemerkt von uns selbst, leicht manipulieren- ein Foto zeigt uns immer nur den Blickwinkel des Betrachters. „Realität“ kann leicht verschoben werden durch den Einsatz von Farbe/Licht, das Zeigen einer bestimmten Perspektive, Kontextualisierung durch Text.

Ein Foto zeigt lediglich eine Momentaufnahme und sagt so viel über das fotografierte Objekt aus, wie der Fotograf es intendiert

Die Kamera fixiert ein gekünsteltes Arrangement, das stets einer Dimension außerhalb des fotografischen Bildes verhaftet bleibt. Das Bild ist kein Duplikat des Abgebildeten, sondern ein Zeichen, in dem das Abgebildete verstanden wird

Das ästhetische Wirkungsvermögen der Fotografie beruht in der Aufdeckung des Wirklichen.

Die Kamera hält beide Wirklichkeitssphären authentisch fest; sie sistiert eine vermeintlich ungestellte Realität nicht minder authentisch als eine ausdrücklich arrangierte

Das liegt nicht in erster Linie an den veränderten Größen Verhältnissen, sondern daran, daß die fotografische Aufnahme eine Sache aus dem örtlichen und zeitlichen Zusammenhang, in den sie hinein gebettet ist, herausgreift und in einen von außen herangetragenen Rahmen paßt.

Spiel mit der Kamera als „objektives“ Medium, wie sie allgemein wahrgenommen wird

https://www.kunstforum.de/artikel/das-subjektive-moment-in-der-dokumentar-fotografie/

Dokumentationskunst: Staging Documentary

Beim „Staging Documentary“ ist das dokumentarisch Behauptete nicht wahr, sondern Fiktion; Diese Fiktion hat kann trotzdem Einsichten in die Realität vermitteln

Sven Johne arbeitet in seinen Werken immer wieder mit Medienbildern und deren Verhältnis zur Bildunterschrift/Textelementen: Thema bei Sven Johne ist die Frage, wie Bilder symbolische Macht generieren können durch das Hinzufügen von fiktivem (Kon-)Text

in der Lampedusa-Serie werden dokumentarische und touristische Bildkonventionen verbunden: die Beziehung von Realität und Fiktion beginnt zu verschwimmen

 

http://www.svenjohne.de/projects/traumhotels-dream-hotels/

https://books.google.de/books?id=BtPJBAAAQBAJ&pg=PA151&lpg=PA151&dq=sven+johne+flüchtling&source=bl&ots=HBsPrOQVBt&sig=ACfU3U2mkj2HDmriwRXEV0pAa5obodeSTg&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiBsKnZ4ZLqAhWB-aQKHbaFCksQ6AEwAnoECAoQAQ#v=onepage&q&f=false  (S. 149-156)

https://www.kunstforum.de/artikel/dokumentationskunst/

Crime: Ursprungsinspiration

Bilderreihe von Julia Bellack

Entstanden ist eine Bildreihe über zutiefst unspektakuläre Orte, die aufgeladen sind mit dem Schrecken und den Schmerzen der Opfer, der Gewaltentladung durch die Täter, durch dieses fatale Aufeinandertreffen fremder Menschen, die sich in den meisten Fällen wohl nie zuvor begegnet sind.

Julia Bellack recherchiert die Fälle und nähert sich dem Thema mit dokumentarischen Mitteln, um dann ein weiteres Motiv zu entwickeln, das all das Unsagbare und nicht Nachzuempfindende enthält, die Faktizität des Todes, gebrochen durch Angst, Wut, Trauer, Fassungslosigkeit und in Anverwandlung eines sterbenden letzten Blickes auf die Welt, in der sich die Opfer nur wenige Sekunden zuvor noch unbeschwert bewegt haben.