selbstreflexion2

Ich habe ziemlich lange gebraucht, um endlich mein Thema zu finden.

Mein Prozess war geprägt von meiner Unsicherheit, was (von Seiten der Uni) gewünscht ist. Ich habe keine Ansätze gefunden und Sachen kaputt gedacht, anstatt einfach zu machen. Diese Punkte stören mich im nachhinein.

Man merkt meinem Endprodukt glaube ich an, dass ich mich schlussendlich eher generell und umfassender mit meinem Thema befasst habe, als geradlinig auf ein Endprodukt hinzuarbeiten.

Deswegen umfasst mein Endprodukt auch nicht all meine vorher erforschten Themen.

An meinem Prozess hat mir Freude bereitet neue Künstler_Innen kennen lernen zu dürfen, mir etwas theoretische Grundlagen der Fotografie anzueignen (auch wenn ich die Texte teilweise recht schwierig zu deuten fand) und natürlich freue ich mich am meisten über meine neu erlangten (wenn auch selbstverständlich immer noch ausbaufähigen) Skills, bezüglich des Fotografierens und dem Umgang mit WordPress.

Auch meine praktischen arbeiten haben mir Spaß gemacht, einfach, weil ich mal was neues machen musste.

Das in meinem Endprodukt nun die Fotografie keine ganz so große Rolle spielt, wie vorerst gedacht finde ich nicht schlimm, da es sich hier ja nun mal um einen Prozess handelt, bei dem ich nicht von Anfang an sagen konnte und wollte, was passieren wird.

 

Mein Projekt – Illusion Installation

Wenn wir auf Instagram, wunderschönen, gephotoshopten Mädchen dabei zusehen, wie sie auf Bali Kokusnusswasser trinken, Yoga machen und fröhlich in die Luft springen dann ist das mit Sicherheit nicht ein wahrheitsgetreues Abbild des Lebens dieses Mädchens. Wenn es gut läuft, dann sieht man in diesen Bilden nur einen Ausschnitt aus ihrem Leben, wenn es schlecht läuft haben wir es hier mit der Illusion eines schönen Lebens zu tun, welches hinter der Kamera ganz anders aussieht.

Das habe ich in meinem Beitrag „Gedanken zur illusion“ aufgeschrieben.

In der Weiterentwicklung dieses Gedankens und in Kombination mit den Werken von Tim Noble und Sue Webster habe ich mein Projekt gestaltet:

Die Wörter sind konstruiert aus Schminke und Kosmetik-Produkten.

Der Schriftzug resultiert aus den Ergebnissen meiner theoretischen Recherche. Alles ist Illusion, jeder Mensch sieht die Welt aus seiner eigenen Perspektive und interpretiert in das Gesehene das hinein, was in sein Weltbild passt.

kumi yamashita

Kumi Yamashita ist eine japanische Künstlerin.

Über ihre Arbeiten zum Thema Licht und Schatten sagt sie auf ihrer Homepage:

„I sculpt using both light and shadow. I construct single or multiple objects and place them in relation to a single light source. The complete artwork is therefore comprised of both the material (the solid objects) and the immaterial (the light or shadow).“

Gefunden habe ich sie über Pinterest.

Quelle: http://kumiyamashita.com/light-shadow und https://www.pinterest.de/pin/450360031490496229/?nic_v2=1a4VwGsEP

Ihre Idee der Gesichter aus Papier habe ich nachgemacht:

diskurs: objektivität der fotografie

Ist die Fotografie denn nun objektiv und spiegelt die Wirklichkeit?

Als ich zum ersten mal selber, ohne Hintergrundwissen, über diese Frage nachgedacht habe, war meine spontane Antwort:

„Ja na klar, was denn sonst? In der Fotografie kann ja nur aufgezeichnet sein, was tatsächlich ist (ausgeschlossen, das Bild wird stakt bearbeitet).“

Im laufe meines Portfolio-Prozesses bin ich zu einer differenzierteren Ansicht diesbezüglich gelangt.

Die fotografierende Person interpretiert in das Objekt immer etwas hinein. Das kann sich durch Kameraeinstellungen, Filter, Objektive, Bildausschnitte, usw. äußern. Somit kann die Fotografie, oder genauer das Foto, nicht die Realität abbilden.

An diesem Punkt angekommen, stellt sich jedoch natürlich die Frage, was denn nun die Realität ist. Das was das menschliche Auge erfassen kann? Das, was das Auge der Fliege erfassen kann? Oder doch eher die Wahrnehmung der Katze?

Ich komme für mich vorerst zu dem Schluss, dass die Fotografie eine Realität abbilden kann.

schattentiere

Als erste Annäherung an mein praktisches Projekt habe ich etwas aus meiner Kindheit nochmal gemacht:

Schatten von Tieren mit den Händen formen.

Das war dann doch etwas schwieriger, als ich das im Kopf hatte, dennoch hier die Ergebnisse:

 

 

john szarkowski: mirrors and windows (1978)

Verschiebung von „öffentlichen zu privaten Anliegen“ seit den 1930er, 40er Jahren.

Zwei Tendenzen: Fotografie als Spiegels – romantischer Ausdruck des Sensibilität des Fotografen die auf die Dinge oder Blicke der Welt projiziert wird – oder Fensters, in dem der Außenraum der Welt in aller Realität und Präsenz untersucht wird.“

Quelle: Ilias, The Missing Link-Vorlesung, Slides und Context aus Vorlesung 3

lorraine daston / peter galison – photografie als wissenschaft und als kunst (2007)

Zitate

„[Fotografie kann] Phänomene sichtbar machen, die sonst für das Auge unsichtbar geblieben wären […]“ (S.59)

„Die Automatik des photographischen  Verfahrens versprach Bilder, die unberührt von Interpretation waren […]“ (S.62)

„Photographien mögen in der Hand des Naturforschers oder Astronomen ausgezeichnet sein, aber die „absolute materielle Genauigkeit“ ist für die Wissenschaft so erstrebenswert wie der Kunst feindlich.“ (S.64)

„Um 1860 wurde die Bezeichnung „mechanische Photographie“ als Gegensatz zur ästhetischen Photographie verwendet.“ (S.64)

jean baudrillard – denn illusionsteht nicht im widerspruch zur realität (1998)

Zitate

„Sie glauben, eine bestimmte Szene zum Vergnügen zu fotografieren – tatsächlich ist sie es, die fotografiert werden will!“ (S.50)

„In diesem Sinne ist das fotografische Bild das reinste, weil es weder Zeit noch Bewegung simuliert und sich an den strengsten Irrealismus hält“ (S.51)

„Keine „Sicht der Welt“, kein Blick: sondern die Spiegelung der Welt mit gleichen Waffen.“ (S. 52)

„Denn die Illusion steht nicht im Widerspruch zur Realität, sie ist nur eine andere, subtilere , die die erste mit dem Zeichen ihres Verschwindens umhüllt.“ (S.52)

„“I shall be your Mirror“, sagt es [das Objekt].“ (S.55)

„Sie projizieren sich nicht mehr in ein Bild – Sie produzieren die Welt als einzigartiges Ereignis, ohne Kommentar.“ (S.55)

„Die Fotografie berichtet vom Zustand der Welt in unserer Abwesenheit.“ (S.57)

Also

Fotografie als Darstellung des Objekts. Die fotografierende Person nimmt sich für ein nach Baudrillard gelungenes Foto komplett aus dem bild heraus und lässt das Objekt die Kontrolle übernehmen.